Das empfiehlt der Paartherapeut und das der Mediator

„Familiäre Hintergründe wirken

sich auf die Paarbeziehung aus“

 

 Johannes Steilmann, Paartherapeut aus Hamburg:

 

„Aus meinen über 25 Berufsjahren weiß ich, wie schwer es für Paare ist, Privatleben und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen sind. Und vor allem die Elternphase ist für viele Beziehungen sehr belastend, weil sich mit Kindern so viel in der Partnerschaft verändert. Nähe geht verloren, weil das Kind plötzlich zur Nummer eins wird. Manchmal hilft es Paaren, sich wieder bewusst mehr Zeit füreinander zu nehmen oder darauf Acht zu geben, sich für den Partner wieder attraktiv zu machen. Wenn es ein Paar aber nicht schafft, den Weg aus der Krise zu finden und zunehmend Sprachlosigkeit zwischen beiden herrscht, ist dringend angeraten, sich Hilfe von außen zu holen.Auch diejenigen die sich nach der ersten verliebten Zeit der brennenden Herzen zurücksehnen, erkennen nicht, dass es normal ist, wenn die Verliebtheit über die verschiedenen Phasen des Lebens hinweg einer reifen Liebe weicht. Falls einem Paar die Sexualität aber komplett verloren geht oder wenn es nur alle paar Monate miteinander schläft, so ist auch das ein deutliches Alarmsignal. In diesem Fall ist es ratsam, in einer Paartherapie über die unerfüllten Bedürfnisse in der Partnerschaft zu sprechen.

 

In meiner Praxis betrachten meine Frau und ich als Paarberatungs-Paar gemeinsam das systemische Netzwerk der zu uns kommenden Paare – also ihre familiären Hintergründe. Denn viele Beziehungsprobleme haben unterbewusst etwas mit der Beziehung zu den Eltern zu tun und sollten von außen reflektiert werden. Manchmal ist es auch sehr wirksam, bei der ersten Paar-Sitzung Mann und Frau in unterschiedliche Zimmer zu führen und ihre Paarbeziehung mit Puppen aufstellen zu lassen. Schon der Vorgang bewirkt sehr viel. Und die Aufstellung seines Partners zu betrachten, ist für viele sehr bewegend. In den nächsten Schritten geht es dann darum, zu erarbeiten, was alles gut war und ist an der Beziehung und diese Punkte zu verstärken. Eine Scheidung sollte doch nur der letzte Ausweg sein.“

„Es hilft Mann und Frau, wenn sie

ihre Wünsche klar artikulieren

 

 

 

Dr. Ulrich Brock Anwalt und Mediator aus Celle:

 

 

„Wahrscheinlich geht es 50 Prozent aller Paare wie Tanja und Sönke. Die müssen natürlich nicht alle sofort zum Mediator, aber vielleicht ist es sinnvoll, sich Hilfe von neutraler Stelle zu suchen, bevor Konflikte eskalieren. Dabei lernen die Paare auch, positive Sprache zu benutzen statt mit Beschuldigungen um sich zu werfen.

 

 

Als Mediator erarbeite ich zusammen mit dem Paar die Themen, die für beide wichtig sind. Genannt werden häufig das körperliche Miteinander, Zeit füreinander und alleine oder auch der Urlaub. Und es ist für beide Seiten meist sehr aufschlussreich, mal explizit vom Partner zu hören, welche Wünsche er dazu hat.

 

Was die Sexualität angeht, haben wie Tanja viele das Bedürfnis, mal wieder ein Knistern zu spüren. Da bespreche ich mit den Paaren eventuell auch, wie sie zu dem Thema Seitensprung stehen und ob sie sich gegenseitig ein solches Abenteuer zugestehen würden.

 

Um welchen Punkt es auch geht: Hauptsache, die Partner artikulieren klar, was sie möchten und stellen den anderen nicht vor vollendete Tatsachen. So wie im Fall von Tanja und Sönke, wenn sie mit ihren Freundinnen ausgeht oder er zum Fußball fährt. Besser wäre es, zu sagen, dass ab und zu auch Zeit für sich alleine benötigt. Dann kann der Partner dem anderen diese Freizeit schenken. Und das hat natürlich nichts damit zu tun, dass man nicht auch gemeinsame Zeit verbringen möchte.

 

Meistens hilft es den Paaren in meinen Mediationsgesprächen sehr, sich die eigenen Wünsche und die des Partners bewusst zu machen. Es bringt schon viel, sie aufzuschreiben. Ich bitte beide Partner aber auch, sich die Ziele detailliert auszumalen, damit beide ein sehr genaues Bild davon haben, worauf sie hinarbeiten wollen. Außerdem sind bei meinen Terminen regelmäßig Feedback-Gespräche beider Partner angesagt, um zu überprüfen, was gut lief und was noch nicht so optimal. Dieses Feedback sollte man auch später fortsetzen, sonst schlafen alle Bemühungen schnell wieder ein.“