Zum Anbeißen schön

 

Gestatten – dies ist die Obstschüssel des Bayerischen Waldes.

Auf verwunschenen Streuobstwiesen gedeihen hier alleine 25 verschiedene alte Apfelsorten, Birnen, Zwetschgen und Pfirsiche.

 

Als die Mönche des Klosters Niederaltaich vor mehr als 1000 Jahren in den finsteren und unwirtlichen Norden des Bayerischen Wald ausgesandt wurden, um das Gebiet urbar zu machen, fürchteten sie sich zunächst. Doch nach kurzer Zeit stellten sie begeistert fest, dass der vermeintlich düstere Ort durch sein besonders mildes Klima und die Talkessellage ein wahres Geschenk war. Wie gemacht für den Obstanbau.

 

Heute wären die Mönche sicher verzückt, wenn sie durch die blühenden Apfel-, Zwetschgen- und Birnenbäume wandeln würden. Sogar Pfirsiche gedeihen im „Lallinger Winkel“ prächtig – dem Obstbaugebiet, das nach dem Ort Lallingen benannt wurde.

 

Die hiesigen, oft biozertifzierten Bauern bauen ihr Obst fast alle auf traditionelle Weise an – nämlich auf Streuobstwiesen. Und sie legen großen Wert darauf, alte Sorten wie Boskoop, Brettacher, Winterrambur und Gravensteiner-Äpfel zu erhalten. Ein Vorteil der höheren Stämme ist, dass die Bäume widerstandsfähiger sind und älter werden als übliche Plantagen-Bäume. So dienen sie auch mehr Insekten als Heimat. Zur Bestäubung arbeiten die Bauern eng mit dem Bienenzuchtverein Lallinger Winkel zusammen.

 

Und im Herbst ist es dann endlich soweit: Das reife, ungespritzte Obst wird geerntet und die Früchte direkt bei den überwiegend kleinen Bauernhöfen erstanden werden. Dabei kommen die Besucher oft nicht umhin, auch bei den Marmeladen und Chutneys, bei Most und Saft zuzugreifen und außerdem wandern hochprozentige Brände der zwei Brennereien in den Einkaufskorb oder eine Likörflasche von Bärwurz-Max.

 

Eine wunderbare Gelegenheit, genüsslich in die Obstschüssel des Bayerischen Waldes zu greifen und einander zuzuprosten, haben Touristen auch beim Lallinger Mostfest Ende Mai, wo alle kulinarischen Genüsse der Region angeboten werden und die Mostkönigin gekrönt wird. Auch der Apfelmarkt in Hunding am ersten Oktobersonntag sowie der Obst- und Bauernmarkt in Lalling am 3. Oktobersonntag sind wahre Publikumsmagneten.

 

Als Verdauungsspaziergang bietet sich ein Abstecher zur spätbarocken Lallinger Pfarrkirche St. Stephanus auf dem Kirchhügel an, die die sogenannte Türkenmadonna aus dem 14 Jahrhundert beherbergt. Der Besuch der kleinen Ortschaften Gerholling, Datting, Ginn und Ensbach und deren liebevoll renovierten, alten Bauernhaus-Ensemble lohnt ebenfalls.

 

Was die früheren Mönche und Entdecker des Lallinger Winkels damals noch nicht ahnten, was sie aber sicherlich sehr beeindruckt hätte, ist eine weitere, noch recht junge Sehenswürdigkeit der Stadt: Der einzigartige Feng Shui Kurpark, der die westliche und östliche Betrachtung der Natur zeigen und spürbar machen möchte. So lustwandeln die Besucher über Wildkräuter- und Streuobstwiesen, schreiten den Organ- und Chakraweg entlang, gelangen zum als liegende Acht angelegten See, dessen Stege den Ying- und Yangpunkt markieren und zusammengelegt völlige Harmonie widerspiegeln. Feng Shui und Altes Wissen – passen wirklich perfekt hierher.

 

 

 

 

 

Feng Shui Kurpark

 

Ein Ort besonderer Energie finden die Besucher auf dem sechs Hektar großen Areal, das westliche und östliche Naturbetrachtung näher bringen möchte. Besonders der See ist geradezu mystisch.

 

 

 

 

Schmackhafter Strudel

 

Dieser „vogelwuide“ – also ausgefallene und extravagante – Strudel erlangte bereits mediale Berühmtheit, als er den großen Apfelstrudel-Wettbewerb der BR-Sendung „Dahoam is Dahoam“ gewann. Auf jeden Fall ist der „Vogelwuider Lallinger“ mit seiner schmackhaften, karamellisierten Apfel-Walnuss-Füllung und seinem hauchdünnen Strudelteig eine Erfindung der überaus aktiven Deggendorfer Landfrauen, die sich über die Anerkennung und den ersten Preis riesig freuten.

 

 

 

Lage

 

Der Lallinger Winkel ist ein nach dem Ort Lalling benanntes, 162 Quadratmeter großes Hochtal im niederbayerischen Landkreis Deggendorf.